Peter Nowak Forumsanfänger
Anmeldungsdatum: 19.02.2006 Beiträge: 10 Wohnort: Osnabrück
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Verfasst am: 09.03.2006, 15:54 Titel: Über´m Berg, Peter Nowak 09.03.06 |
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Hallo Leute,
ich heiße Peter Nowak,bin 30 Jahre alt und komme gebürtig aus Polen.
Ich lebe seit 18 Jahren in Deutschland,und set 6 J. in Osnabrück was mir
persönlich sehr gut gefällt...
Ich bin seit gut 6 Jahren Clean. Davor war ich 8 Jahre voll drauf, wovon ich 3 Jahre im Knast und 1 1/2 Jahre auf Therapien verbracht habe. Also habe ich den größten Teil meiner Suchtzeit in geschlossenen Anschtalten verbracht , wo ich immer bestens zu recht gefunden habe. Allerdings das Leben im "freien" habe ich nie gemeistert. Immer war ich auf der Suche nach dem "Kick", und da die einzigen Sportarten die ich wirklich gut beherrschte klauen, koksen und >krumm wie die Nacht zu sein< waren, klammerte ich mich immer wieder an das Selbe. Mein Leben hing oft am seidenen Faden - was mir aber zu dem Zeitpunkt egal war!
Ich war schon immer sehr aktiv, konnte und wollte aber nicht das Falsche von Richtigem unterscheiden,weil ich mit dem Falschen sehr früh angefangen habe. Und das war für mich normal.
In meiner letzten Therapie 2000 WOLLTE ich es ändern.
Mit Hilfe von dem Team im Nettetal, speziell von Christiane, Birgitt, Marianne Josef und Jürgen Boda und natürlich meiner "Ehrlichkeit" (-was mir Anfangs sehr,sehr schwer gefallen ist...) kann ich heute sagen: ich bin ÜBER`M BERG!! - Doch ganz so einfach war das nicht....
Das NETZWERK spielt mittlerweile im meinem Leben eine sehr große Rolle.
Paar Monate nach der Therapie hatte ich festen Job als
Landschafts-Gärtner, hatte einige Freunde mit den ich rumgehangen habe, und ich habe im Verein Volleyball gespielt. Der kontakt zu "normalen" Menschen ist mir sehr schwer gefallen, also bin ich
nach den Spielen immer schnell nach hause gegangen um Kontakt zu meiden.
Die meisten Aktivitäten habe ich dann alleine gemacht.
Ich wollte Snowboarden lernen, also bin ich alleine nach Tschehien gefahren und habe dort das Snowben gelernt.
Ohne Alkohol zu trinken hatte ich dort nicht den Mut auf Leute zuzugehen, also habe ich die Abende im Hotelzimmer telefonierend mit meinen Freunden in Osna und meiner Therapoitin verbracht. - Ich habe in 2 Wo. 1036 DM vertelefoniert.
Ich bin immer alleine zum Boarden gefahren,weil keiner von meinen Freunden Interesse hatte. Ich habe aber immer mehr Menschen kennengelernt die "normal" waren, und ich staunte, weil ich immer mehr Themen zu besprechen hatte, die nicht "krimineller Herkunft" waren.
Aber ich war halt immer alleine.
Irgendwann gab mir ein Bekannter von der Nachsorge das Netzwerkheft, wo ganz viele Aktivitäten angeboten waren - unter anderem Skifahrt nach Chatel! Ich habe mich angemeldet, mitgemacht und super viel Spaß dabei gehabt.
In der Zwischenzeit fing ich das Tanzen an, wo ich unbedingt ein Mädchen
kennenlernen wollte. Irgendwie bin ich in der Tanzschule hängen geblieben und arbeitete dort fast 4 Jahre lang als Tanzlehrer. Auch das war eine sehr schöne Zeit...
Ich habe mich zu jemanden entwickelt, der immer aktiv unterwegs war. Doch das wesentliche was mich betraf und was in mir vorging blieb auf der Strecke. Ich hatte keine Zeit für mich.
Durch die Chateltour bin ich bin ich mit Peter Thölen ans Wandern gekommen. Ich habe auch schnell gemerkt, daß mir die Tage in der Natur sehr gefallen haben. Ich mochte sehr die Berge. - Und vor allem ich konnte nicht vor mir weg laufen, ich musste mich dem stellen, was in mir vorging.
Wenn ich jetzt zurück blicke, haben mir die Tage in den Bergen und den Leuten eine große last abgenommen. Ich habe dort Zeit für mich gefunden.
Ein Jahr Später habe ich mich für die Nepal-Tour mit Jürgen Fais
angemeldet. Warum nicht dachte ich mir, wenn schon denn schon... Warum nicht den Himalaya sehen, und vor allem den Mount Everest?- Es war unvorstellbar für mich, und so wurde es zu einem Traum!
Für die vorbereitung habe ich das Laufen angefangen. Ich bin einmal die Woche nach der Schule ( hatte Umschulung zum Landschafts-Gärtner begonnen) laufen gegangen. Ein Mädchen aus meiner Klasse fing das Laufen mit mir an, und das hat mir sehr gefallen.
Sabine war sehr gut in der Schule, ich war eine Niete. Ich kamm mit dem lernen aus den Büchern nicht zu recht, und die meisten aus der Klasse hatten frisch das Abitur hinter sich.
Sie lief trotzdem immer weiter mit mir.Von einem mal wurden es zweimal die Woche,dann drei... Vor allem nach der Schule, als ich oft das Gefühl hatte, daß ich zu doof zum lernen bin, bin ich vor Wutt gerannt. Was natürlich total falsch war.Ich bin gelaufen bis zu erschöpfung, und das jedes mal. wenn das Blut aus der Nase lief, war das ein gutes Training für mich.
Es war völlig irre und das absolut falsches trainieren,aber ich wusste es nicht besser, und irgendwie fühlte es sich gut an.
Kurze Zeit danach habe ich den Netzwerklauf mit 36.59 min gewonnen.Und ich wollte weiter laufen.
Im Nepal erzählte Jürgen paar mal von seinen Erlebnissen im "Ironman". Jedes mal hörte ich aufmerksam zu und merkte wie mein Herz schneller schlug. Ich war in einer Trance, und das nur vom zuhören. - Ja, ein neues Ziel hat tief in meinem Inneren Wurzeln geschlagen. Die unvorstellbaren Distanzen, das Training,der Kampf... Ich habe mir vorgenommen einen Marathon zu laufen, und Jürgen hat mir per E-Mail Pläne zugeschickt. Kurz vor´m Marathon hatte ich ein Knieproblem und musste dasTraining abbrechen. Monate langes Training für nix, ich war am Ende.
Trotzdem habe ich nicht aufgegeben, ich hatte ja Irgendwo in mir ein Ziel!!!
Also fing ich wieder an zu laufen, nach monate langer Pause. Ich habe in
Berlinmarathon für mich eine gute Zeit erreicht, und vor allem ich bin
angekommen,und somit meinem Ziel,Traum? ein Stückchen näher gekommen.
Nach dem Marathon bin ich kürzer getretten.Bin mit Sabine zusammen
gezogen, neue Stadt, neuer Job.A lles wurde wieder zum Alltag, und etwas langweilig. Mir fehlten wieder Kicks.
Kurz darauf bekamm ich von Jürgen eine Mail-neues Projekt,nur eine Idee:
ÜBER`M BERG und ob ich lust hätte mitzumachen?
-Ein Haufen Glücksgefühle, tränende Augen und mindestens eine schlaflose Nacht folgten nachdem ich euphorisch -JA-!!! sagte.Zermatt-Marathon 42,195
km,Swiss-Alpin 78,5 km und Tour du Mont Blank 155 km + die vielen
Höhenmeter?Ein Hammer dachte ich mir!!!
Und wieder ein Stückchen näher na meinem Ziel,Traum?!
Ich weiß nicht, ob ich es schaffe. Vielleicht wird mein Körper nicht
mitmachen, wie beim ersten Marathon. Ich weiß es nicht, aber das spielt keine Rolle. Ich werde es versuchen und das zählt!
Im Laufen habe ich etwas für mich entdeckt was mir sehr viel Spaß macht.Ich habe ständig neue Ziele, die ich trotz meiner körperlichen Arbeit verfolge. Ich kann beim laufen abschalten, den gedanken freien lauf geben. Ich habe gelernt auf meinen Körper zu achten, gönne mir Auszeiten, versuche Freundin Familie und Freunde nicht zu vernachlässigen. Und es gelingt mir.Nicht immer leicht,aber es gelingt mir.
Einige Leute sagen zu mir ich wäre süchtig nach laufen. -Ja, vielleicht bin
ich das, aber ich habe mein Leben fest im Griff, lebe abstinent, achte auf
mich, gehe arbeiten, habe sehr viele soziale Kontakte und menschen, die mich mögen sowie ich bin, und ich fühle mich gut und gesund.
Vor ein paar Jahren habe ich für einen Schuß Kokain mein Leben aufs Spiel gesetzt, und das mehrmals Täglich. Und heute lebe ich und ich habe Spaß dabei....und mein Leben ist mir nicht mehr egal! Das ist etwas, woran ich vor noch garnicht solanger Zeit, nicht einmal gedacht hätte.
So, und jetzt gehe ich laufen. Heute nur 15 km... mittlerweile ein
entspannungslauf.
schönen Gruß
Peter |
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