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proscrito Forumsfrischling
Anmeldungsdatum: 17.03.2006 Beiträge: 5 Wohnort: mitteldeutschland
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Verfasst am: 03.04.2006, 13:02 Titel: mein weg in die "trockenheit" |
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hallo !
vorgestellt hatte ich mich ja schon kurz, nun hier eine etwas ausführlichere, über meinen weg aus der sucht. erste ernsthafte versuche unternahm ich so etwa ab mitte der achtziger jahre. ich hatte da mehr oder weniger schon realisiert in welch einer situation ich steckte. das beste beispiel hatte ich ja in meinem vater direkt vor der nase. seine erfahrungen, die er mit dem was man in der ehemaligen ddr unter suchthilfe verstand (ausgenommen agas aber von denen hörte ich erst nach der wende)machte, ließen mich lange keine hilfe annehmen.
wie viele versuchte ich meinen alkoholkonsun ersteinmal wieder unter kontrolle zu kriegen. will heißen zuerst versuchte ich nur noch soviel zu trinken das ich am nächsten tag keine solchen probleme wie das derbe händezittern und schwitzen hatte. ging natürlich nicht lange gut. bald war aber ein grund des scheiterns ausgemacht und so durfte eigentlich beim nächsten versuch nichts mehr schief gehen, wie unschwer zu erraten gings aber doch wieder in die hose.
der nächste versuch war dann nur noch an den wochenenden oder freien tagen zu trinken usw usw.. nahezu alles und jedes wurde probiert analysiert fehler gefunden von neuem probiert alles um nur noch tiefer in die sucht zu rutschen statt einen weg hinaus zu finden. ich war mittlerweile beim morgentlichen nachtrinken, ohne lief schon gar nichts mehr, angekommen und meine tagesdosis belief sich mittlerweile auf 2 bis 3 flaschen bier und 2 flaschen hochprozentigen(in der ddr meist wodka weil das der einzig hochprozentige war). das da probleme und stress auf der arbeitsastelle vorprogrammiert waren ist wohl mehr als logisch. mehrfach wurde mir mit rausschmiss gedroht wenn ich nicht aufhören würde auf arbeit zu trinken. schließlich kam die wende ich dachte jetzt bist du dran aber wieder blieb es bei verbalen drohungen, kein verweis keine abmahnung. ich muß dazu sagen in der zeit bewies ich sozusagen guten willen, ich hatte durchaus vierteljährliche trockenphasen eingelegt. denen folgten dann allerdings auch wieder wochenlange abstürze. ende 1991 dann das ende unsere einrichtung wurde "abgewickelt". ich hatte wieder einen schweren absturz. von dem wollte und wollte ich nicht runterkommen. zum ersten mal hatte ich sowas wie todesangst beim "kalten" entzug. danach hatte ich die längste trockenperiode ohne hilfe. ich suchte mir eine stelle als kraftfahrer auch weil ich bisher fahren und trinken strikt trennen konnte. 1.5 jahre trank ich keinen tropfen. danach war ich gezwungen den job zu wechseln,meiner frau und mir war das zu doll nur alle viertel jahr zu hause also suchte ich mir einen job in dem ich nur innerdeutsch fahren mußte.(schwerer fehler!!!). da ging es von anfang an anders zu als beim alten job. lenkzeiten einhalten, tja wovon träumen sie nachts? es war eine elende schinderei über 300 std. im monat die regel nicht die ausnahme. so kam es das ich bald schlafprobleme bekam wenn ich denn mal ruhezeit hatte. meist war man dann so überdreht das man nicht in den schlaf kam.
wie ich das problem löste schreib ich morgen weiter. bitte entschuldigt aber ich habe für das kleine stück 1.5 std. gebraucht so schlecht ist meine konzentrationsfähigkeit und mein einfinger adler trägt auch nicht gerade zur schnelligkeit bei
mfg
proscrito |
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proscrito Forumsfrischling
Anmeldungsdatum: 17.03.2006 Beiträge: 5 Wohnort: mitteldeutschland
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Verfasst am: 04.04.2006, 09:53 Titel: |
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hallo !
heute habe ich etwas mehr zeit mitgebracht.
also um meine schlafprobleme zu lösen ging ich zum arzt schilderte ihm meine situation und das eizige was dem einfiel war kündigen , er verschrieb mir schließlich tavor. zu meinem glück lese ich immer aufmerksam die beipackzettel. ich ging deshalb ziemlich sparsam mit dem zeug um . am anfang half es ganz gut aber als ich merkte das ich die dosis steigern müßte um den gleichen effekt zu erzielen, schrillten die alarmglocken aber ganz laut im kopf. eine sucht reichte mir. nun stand ich wieder da. mit alkohol zu probieren machte keinen sinn, denn eins wußte ich zu genau, um den gewünschten effeckt zu erzielen war die menge für die kürze der ruhezeit zu hoch. schließlich ergab sich auf einer kleinen feier, anläßlich des geburtstages des jun. chefs, in einem gespräch mit einem jüngeren kollegen , das mich das problem nicht nur allein betraf. dieser kollege meinte die effektivste lösung sei ein joint und eine büchse bier, man schlafe danach wie ein baby. nach kurzer absprache war ein arrangement getroffen und ich bekam regelmäßig meine joints. esklppte tatsache wie versprochen. nur inen nachteil hatte die sache, mein suchtgedächtniss tickerte wieder unüberhörbar. so kam es wie es kommen mußte ich hatte wieder einen absturz. ich ging zu meiner hausärztin schilderte ihr meine jetzige situation und sie schrieb mich krank. wieder ermahnte sie mich mir endlich helfen zu lassen zur suchtberatung zu gehen und die zeiten hätten sich doch geändert und was meinem vater passiert sei, ist heut zu tage undenkbar.( dazu ist erklärend zu sagen mein vater wurde zu ddr zeiten zwangseingewiesen zur entziehung. es wurden sogenannte fortschrittliche sowjetische methoden angewandt, die reinste folter. der erfolg, so weit wie ich weis zogen es über 90% der so behandelten vor sich zu tode zu saufen, andere wählten den freitod, dazu bleibt anzumerken das es in nicht allen einrichtungen so zuging wie der in der mein vater war aber es gab mehrere davon). ich hatte wieder diese scheißangst beim entzug und er fiel mir schwerer und schwerer . ich brauchte auch mehrere anläufe. schließlich fuhr ich wieder versuchte vorsichtiger mit allem umzugehen, was aber auf grund des stetig steigenden stresses auf arbeit nicht ging. dann folgte ein prägendes erlebniss. mein vater starb besser gesagt er verreckte elendig und ich "durfte" live dabei sein. für mich stand nach dem tod fesenfest so stirbst du mal nicht. das konnte aber nur heißen aufhören mit trinken oder freitod. na ja jedenfalls änderte sich von dem zeitpunkt an vieles. mit dem fahren gings los. entweder ich hatte inzwischen den einen unfall zuviel gesehen oder ich vertrug die joints nicht mehr, jedenfalls wurde der lkw immer größer und die straße immer schmaler, die einfahrten enger jedenfalls ich war nur noch am angstschwitzen. ständig schüttete mein körper adrenalin aus das ich angst hatte bald nur noch eine leergebrannte hülse zu sein. ein dreiviertel jahr nach dem tod meines vaters war "ende im gelände". nichts ging mehr,ich kam erst mal in eine klinik. psychischer erschöpfungszustand war die diagnose. mit meiner gesundschreibung kriegte ich postwendend den mir nochzustehenden lohn und urlaub ausgezahlt und die kündigung gleich dazu. ich also zum arbeitsamt meine situation geschildert, bekam dort sogar auf anhieb eine umschulung angeboten. gas-wasser-installateur ,ich überlegte nicht lange und nahm sie. bei der umschulung selbst wurde ganz schön "gebechert" zwar gab es immer mal wieder ermahnungen das es untersagt sei während der unterrichtszeit zu trinken nur praktisch dran halten tat sich keiner. somit bewegte ich mich auf sehr dünnem eis wenn ich ab und an mal kontrolliert etwas mittrank. ging lange gut doch einmal kommt der einbruch, ich hatte es "geschafft" mich mit spiegeltrinken über den tag zu retten. will heißen am tage minimaler pegel und abends dann konntrolliert mehr. so schaffte ich es mehrere wochen ohne unter den anderen aufzufallen. irgendwas mußte ich dann aber doch verpaßt haben ,jedenfalls fiel ich mit fahne auf. es gab einen mordskrach deswegen, ich verstand zu diesem zeitpunkt die ganze aufregung gar nicht. soweit wie ich wußte torkelten hier welche an manchen tagen durch die gegend und keinen störte es. da ich jeden weiteren stress aus dem weg gehen wollte ließ ich mich krank schreiben und begann sofort mit dem entzug. es war fürchterlich ich hatte meine extremitäten kaum noch selbst unter kontrolle. krampfartig schüttelte es meinen ganzen körper und mehr als einmal dachte ich es wäre aus die härte kam allerdings noch.
ich hatte drei tage qualen hinter mir war auf dem aufsteigendem ast da war sie mit einmal da diese scheissangst und gerade hatte ich es überstanden den entzug da rannte ich los um mir ne flasche zu holen. bekloppt und doch passiert. die enttäuschung riß mich wieder tief runter, vor allem die angst vorm nächsten entzug ließ mich verharren. dann mein entschluß du trinkst dich runter und diesmal hatte ich die disziplin und schaffte es. den rest schwitzte ich in zwei tagen aus. allerdings brauchte ich noch etwa 4 tage um wieder auf die beine zu kommen. als ich wieder in der schule auftauchte war erst mal getuschel angesagt, keiner sagte mir was. nach der ersten pause wußte ich warum , ich durfte beim schulleiter antanzen. der machte mir klar das er mit alkoholikern wie mir kurzen prozeß zu machen pflege und ich im wiederholungsfall fliegeund ich machte ihm klar das alkoholismus eine kranheit sei und er im falle meines rausschmisses vor gericht landen würde. (ich bin eine ganz ruhige type aber schon in meiner schulzeit inder armeezeit und auch später platzte ich förmlich bei solchen typen). damit war die angelegenheit vom tisch. eigentlich und das muß ich ihm zugestehen war er noch fair das arbeitsamt bekam nie kenntniss von dem vorfall. ich blieb standhaft in der folgezeit, schaffte die zwischenprüfung ganz gut legte meine schweißerpässe ab undging ins praktikum. hier stellte sich ganz schnell heraus was ich schon seit langem befürchtet hatte. der job spielte sich zu 90% auf knien ab und meine waren kaputt . aus wut darüber und darüber das ich mich im vorfeld ungenügend informiert hatte und informiert wurde "schoß" ich mich so richtig schön ab.nach 14-tagen wollte ich wieder aufhören doch diesmal war alles anders, sobald ich an die schwelle kam wo es anfing zu krampfen und zu zucken packte mich so heftige angst das ich jedesmal nachtrank. das ging so lange bis ich an einem punkt angekommen war an dem ich dachte, entweder du bringst dich jetzt um oder du stehst den entzug durch. da ich zu hause war fiel das mit dem umbringen schon mal aus,( ich hab als 14-jähriger meine oma am türrahmen hängend gefunden, sowas wollte ich meiner familie ersparen)und in den wald gehen fiel auch aus. ich probierte es wieder mit runtertrinken,nichts,mit kaltem entzug, wieder nichts. bei einem weiterwem versuch kalt zu entziehen war es dann soweit, ich dachte ich "geb den löffel ab". so sagte ich meiner frau ich brauche hilfe. meine frau sprach mit der hausärztin, vermittlung zur diakonie und tags darauf schon ein gespräch mit der dortigen chefärztin. es war ein langes sehr langes gespräch in der ich ihr auch ganz kla meine befürchtungen klar machte. sie erklärte mir den ablauf dort inder klinik erklärte die medikamentöse unterstützung und gab mir den mnächstmöglichen einweisungstermin. ich sagte zu und so folgte meine erste richtige entgiftung da auch nebenbei diese angststörung vorlag und ich mich zu einer langzeitentwöhnung bereiterklärt hatte dauerte sie 6 wochen.
da es zu der zeit noch üblich war erst nach 6-monatiger trockenheit zur langzeittherapie zugelassen zu werden kam ich im juli 97 zur langzeit.
es folgten 3jahre abstinnz, eine berufliche reha mit problemen , der versuch kontrolliert zu trinken um angst und stress unter kontrolle zu halten ohne lästige entzugserscheinungen(klappte mehr oder weniger 1 jahr) der absichtliche absturz , erneute entgiftung und seither 5 jahre trocken.
das kapitel berufliche reha und die anschließende zeit nehmen in der betrachtung einen eben solchen raum ein wie die jahre zuvor. ich schreib vielleicht später noch darüber falls es wirklich jemanden interessieren sollte
mfg
proscrito |
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Jörg Site Admin

Anmeldungsdatum: 16.12.2005 Beiträge: 103 Wohnort: Köln
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Verfasst am: 04.04.2006, 22:16 Titel: |
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Hi Proscrito,
fand ich voll cool von dir einfach mal ganz frei hier alles runterschreiben. Wie geht es dir denn jetzt ? Du bist zwar 5 Jahre trocken aber ich glaube du hattest mal geschrieben das du dich jetzt auch nur sehr mühsam trocken halten kannst (kann mich aber auch irren).
LG
Jörg |
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proscrito Forumsfrischling
Anmeldungsdatum: 17.03.2006 Beiträge: 5 Wohnort: mitteldeutschland
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Verfasst am: 11.04.2006, 12:26 Titel: |
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hallo jörg!
ja ,ich bin jetzt 5 jahre am stück trocken und habe hin und wieder meine schwierigkeiten.z.b. trockenentzug, kommt nicht so häufig vor, ist allerdings mit das unangenehmste. in meinen depressiven phasen, ich hab ne bipolare störung,immer wieder suchtdruck. durch mein neues ad sind zwar die manischen phasen gekappt, aber ich habe das gefühl aus einer leichten dauerdepression überhaupt nicht mehr rauszukommen.
im moment genieße ich jedes aufflackern des frühlings, der lange winter war definitiv nichts für mich. wird auch zeit das ich wieder rauskomme und durch walken meinem winterspeck zu leibe rücken kann. im winter fehlte erst der antrieb und dann sorgte ein böser sturz für eine unfreiwillige pause.
was den alkohol betrifft, der verzicht auf das suchtmittel hat bei dem einen eine weniger und bei dem anderen eine größere lücke hinterlassen. ich gehöre leider zur letzteren gruppe. viele dinge habe ich ohne das suchtmittel ausfüllen können bzw. bewältigen gelernt. einige dinge aber noch nicht. dazu zählt unter anderem stress bewältigen , unruhe und angst aushalten. bei den dingen springt sofort mein suchtgedächniss an. ich hab zwar medikamente für diese fälle aber die hat man nicht immer gleich zur hand und bis dahin heist es aushalten. ist nicht immer einfach und mehr als einmal hat eine solche situation bei mir einen "handfesten" depressiven schub ausgelöst. hilft aber nichts muß ich mit leben. da hilft ein ganz teil das ich eu-rentner bin.
mfg
proscrito |
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Jörg Site Admin

Anmeldungsdatum: 16.12.2005 Beiträge: 103 Wohnort: Köln
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Verfasst am: 11.04.2006, 21:15 Titel: |
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Ich bin auch sehr froh das so langsam der Frühling anklopft. Habe auch immer etwas antriebslose Phasen so zwischen Januar und März. Sommer bedeutet für mich eine ganz andere Lebensqualität.
Vielleicht kannst du ja diesen Motivations/Leistungsschub für dich Nutzen um mehr Sachen zu finden die deine Lücke weiter schließen können.
Ich habe auch ausprobiert und ausprobiert um meine Lücke zu schließen. Ist ja nicht so ganz einfach wenn man man noch nicht genau weiß was einem alles gut tut oder fehlt.
Ich weiß ja nicht wo du wohnst, hier in Köln biete das Netzwerk immer viele Aktivitäten um neue Sachen auszuprobieren und neue Leute kennen zu lernen. Vielleicht gibt es was ähnliches in deiner Nähe. Ansonsten hat mir geholfen "erstmal machen, ob es mir gut tut kann ich erst danach entscheiden".
Ich bin anfangs auch bei Stresssituationen in unangenehme Nervosität und Suchtdruck verfallen. Um so mehr ich meine Lücken geschlossen habe, umso weniger wurde ich allerdings mit solchen feelings konfrontiert. Heute weiß ich gar nicht mehr wann ich das letzte mal wirklichen Suchtdruck gespührt habe. Ich hoffe dir geht es auch bald so.
LG
Jörg |
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