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Über´m Berg; Roland Halder

 
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Suchtselbsthilfe-Netzwerk.de Foren-Übersicht -> Über´m Berg und Nepal 2006
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Autor Nachricht
Roland
Forumsfrischling


Anmeldungsdatum: 21.12.2005
Beiträge: 2
Wohnort: Köln und Bensberg

BeitragVerfasst am: 21.03.2006, 14:51    Titel: Über´m Berg; Roland Halder Antworten mit Zitat

"Ich sei, gewährt mir die Bitte, in eurem Bunde der Dritte!" (Friedrich Schiller, Die Bürgschaft 1799)

Nachdem nun schon zwei ihren ersten Bericht abegeben haben ... hier nun meine Zeilen ...



„No sports“

Bis zu meinem 28. Lebensjahr war ich voll von der sportlichen Maxime Sir Winston Churchills überzeugt: „no sports“ oder auf Deutsch: „Sport ist Mord“. Meine letzte richtige sportliche Betätigung fand bei meiner letzten Sportstunde statt. Damals hatte ich auch ganz andere Interessen als mich zu bewegen. Ich begann mit 12 Jahren Alkohol zu trinken und steigerte mein Level kontinuierlich bis zum großen Zusammenbruch mit 27 Jahren.
Mit dem Sport begann ich während meiner sechsmonatigen Therapie. Warum? Das weiß ich auch nicht so genau. Ich hatte das Bedürfnis mich zu bewegen, ich wollte meine Energie, die während der Trockenlegung langsam wieder festen Boden unter den Füßen bekam, loswerden. Bis jetzt hatte ich alles nur ertränkt. Außerdem wollte ich mich müde machen. Ich wollte abends endlich mal wieder rel. normal einschlafen und nicht nur unkontrolliert denken. Da bot sich das Laufen an. Es brauchte keiner langen Vorbereitung und was finanziell zu machen, denn ich zog meine alten Turnschuhe an und los ging es. Der Laufspaß dauerte aber nicht lange, denn schon nach wenigen 100 Metern brannten meine Beine wie Feuer und meine Lunge versuchte mit Hustenattacken den Teer herauszuschleudern. Das machte aber nichts. Ich sah das eher als eine neue Herausforderung nach dem Motto „da bin ich aber mal gespannt, wie ich das hinbekomme?“ Während der Therapie hatte ich nachmittags viel Zeit zum Üben. Und der Erfolg stellte sich schnell ein. Aus ein paar hundert Metern wurden dann drei oder viel Kilometer. Weil ich immer noch mit meinen alten Turnschuhen lief, bekam ich zunehmend Blasen an den Füßen. So kaufte ich mir mein erstes paar Laufschuhe. In den nächsten Jahren joggte ich erst mal so vor mich hin.


„use it or loose it“

2001 zog ich dann wegen meiner damaligen Freundin nach Köln. In meinem läuferischen Übermut beschloss ich am Kölnmarathon teilzunehmen. Wie bei so vielem in meinem Leben beschloss ich etwas, ohne genau zu wissen, worauf ich mich da einlasse. Als ich für die Uni italienisch erlernen musste, bin ich spontan in den Semesterferien mit meiner alten Guzzi für ca. 2 Monate nach Italien gefahren. Damit ich nicht so leicht wieder umdrehen konnte, wenn ich eine Krise hatte, fuhr ich bis Sizilien runter. Es war ein toller Urlaub! Also getreu dem Spruch: „use it or loose it“ meldete ich mich an. Weder kannte ich einen, der schon einmal einen Marathon gelaufen ist, noch hatte ich eine Ahnung, wie ich mich darauf vorbereiten sollte. Ich joggte weiter so vor mich hin. Meine längste Strecke die ich zur Vorbereitung gelaufen bin waren ca. 15 Kilometer am Stück. Der große Tag war da und nach 4Stunden und 50 Minuten erreichte ich das Ziel. Ich war dabei aber nicht nur am Ende der Marathonstrecke angekommen, sondern ich erreichte auch mein Ende. Ich hatte Krämpfe, Muskelschmerzen, Durchfall, Erbrechen …, im Grunde alles, was nicht gut tat. Aber ich spürte mich und ich konnte super schlafen! Nachdem ich mich wieder erholt hatte, war mir klar, dass ich an der Sachlage was ändern musste. So wollte ich nie wieder irgendwo ankommen. Ich suchte mir einen Lauftreff und begann mich auch etwas theoretisch mit dem Laufen zu beschäftigen. Außerdem fand ich es langweilig nur einen Marathon im Jahr zu laufen. Also rannte ich im Jahr darauf gleich 3 Marathons. Bedauerlicherweise lief keiner meiner Laufbekannten bei anderen Läufen als beim Köln Marathon mit. So bin ich meine ersten Marathons alleine gelaufen, wie beispielsweise meinen ersten Helgoland Marathon. Die Fahrt mit dem Hovercraft, der tolle Lauf, … all das konnte ich mit niemandem teilen. Jedoch habe ich bei der Afterrun Party zwei Kölner kennen gelernt, mit denen ich das Jahr darauf gleich wieder nach Helgoland fuhr – freu!
Mittlerweile hat sich das etwas geändert. Mit einem Bekannten vom Lauftreff bin ich dann zu ein paar Marathons in der Gegend gefahren, bis er einen sehr schweren Unfall hatte. Im vergangenen Jahr war ich mit drei Lauffreunden beim Rom Marathon. Das war bombastisch. Wir sind mit einem Billigflieger von Samstag bis Dienstag runtergeflogen. Am Sonntag sind wir mit dem Colosseum im Rücken gestartet. Ein römisches Highlight folgte nun dem anderen. Rom zu besichtigen und dabei noch einen Marathon zu laufen, das war einfach unbeschreiblich für mich. Und ich konnte diese Eindrücke endlich mal vor Ort teilen. Wäre ich alleine gelaufen, ich glaube, dann wäre es ein sehr trauriger Marathon für mich geworden.
Mit den Netzwerkleuten habe ich auch schon einen Lauf mitgemacht. Wir sind gemeinsam zum Röntgenlauf gefahren. So habe ich mir das in meinen Träumen vorgestellt. Mit Leuten gemeinsam zu Laufen. Es geht für mich dabei nicht um die Zeit. Wenn es flutscht, dann flutscht es und wenn nicht, dann nicht. Es geht für mich um das gemeinsame und um das Teilen. Dieses Jahr wollte ich mit meiner Freundin nach Helgoland zum Marathon fahren. Sie ist von der Insel begeistert und ich kann einen Marathon laufen. Eine tolle Kombination, bis meine Cousine ihre Hochzeit auf den Termin gelegt hat – dann halt im nächsten Jahr.



„Willst du was erreichen, was du noch nie erreicht hast? Dann mach, was du noch nie gemacht hast!“

In meiner dritten Laufsaison kam dann die Überlegung mal etwas mehr zu laufen. Marathon läuft doch „fast jeder“. Gedacht getan, ich meldete mich zu meinem ersten 60 km Lauf an. Der flutschte recht gut und für mich war klar, wenn ich 60 km schaffe und noch lächeln kann, dann kann ich auch 100 km Laufen. Also meldete ich mich gleich für den 100 km Lauf in Biel an. Der Start in Biel ist freitags um 22 Uhr. Am besagten Freitag ging ich erst noch um 8 in die Uni, dann fuhr ich um 11 mit der Bahn von Köln los, kam um 20 Uhr in Biel an, ging duschen, zog mich um, schlenderte etwas durch die Halle, schnupperte den Flair und um 22 Uhr startet ich mit all den andern Läufern. Am Samstagvormittag kam ich dann wieder in Biel an, ging duschen, habe etwas gegessen, schleppte mich zum Bahnhof und fuhr mit Bahn und Bus nach Ulm zu meinem Bruder. Hier konnte ich zum ersten Mal meine Erlebnisse mitteilen und teilen. Da kam ich dann so gegen 21 Uhr an. Ich war fix und alle, aber ich spürte mich und ich konnte super schlafen. Es war eine super tolle Aktion, die ich mal wieder leider mit keinem Teilen konnte. Die Endorphine von Biel blieben so lange in meinem Körper, dass ich zwei Wochen später schon wieder in Brühl beim 12 Stunden Lauf am Start stand. Von 2001 bis 2005 habe ich es auf 30 Marathons und Ultras gebracht.



„Für die Realisten, die nicht aufgehört haben zu träumen“

Zum Netzwerk bin ich über eine Bekannte aus meiner Kreuzbundgruppe gekommen. Das Angebot reizte mich, vor allem weil ich neue Herausforderungen für mich suchte. Im Programmheft habe ich gelesen, dass das Netzwerk auch Triathlontraining anbietet. Seit ich mir ein Rennrad gekauft hatte, reizte mich ein solches. Außerdem wollte ich mehr Leute kennen lernen, die dieselbe Freude am Sport haben, wie ich und ich wollte natürlich auch noch Leute kennen lernen, von denen ich Tipps bekommen konnte. Also habe ich da mal angerufen und bin mit den Leuten Rad gefahren. Das war schon ein tolles Gefühl. Um mich herum fast nur Leute, die schon einen oder viele Iron Man hinter sich hatten und dazwischen ich. Allerdings wird der Triathlon noch etwas warten dürfen. Ich muss erst noch das Schwimmen hinbekommen. Bis jetzt weigere ich mich noch in ein offenes Gewässer tiefer als bis zum Bauchnabel hineinzugehen. Und im Schwimmbad bin ich ein bekennender Beckenrandschwimmer. Aber ich bin zuversichtlich, dass ich das auch noch hinbekomme: „Bin mal gespannt, wie ich das wieder hin bekomme?“
Im Winter 2006 bin ich mit dem Netzwerk nach Österreich zum Boarden gefahren. Das war mein erster Urlaub, bei dem ich mit tollen Leuten die Freude am Sport teilen konnte. Vom Boarden selber hatte ich keine Ahnung, aber es machte sehr viel Spaß und das Boarden war voll coooooooooooooooooooooooooool! Und nächstes Jahr geht’s weiter mit den Sprüngen.


Warum ich das mache?

Es gibt keinen speziellen Grund oder eine Schlüsselsituation, warum sich das so entwickelt hat. Ich empfinde es eher als ein Hineinschlittern. Warum ich dabei bleibe hat viele Gründe. Durch die ganze Lauferei habe ich es endlich geschafft ein gesundes Körpergefühl aufzubauen. Bei den Läufen kann ich mittlerweile sehr gut einschätzen, wie ich mich gerade läuferisch fühle und wie ich bei dem Lauf durchkomme. Entsprechend langsamer oder schneller laufe ich dann. Früher war mein Körper nur Mittel zum Zweck und während meines Suchtverlaufs entwickelte ich zunehmend eine immer größere Abneigung gegen ihn, bis ich ihn schließlich aktiv bekämpfte. Heute ist es ganz anders! Ich sehe meinen Körper als mein Kapital an, der gepflegt werden muss. Wenn ich ihm bewusst Schaden zufüge, dann fällt das auf meine sportliche Betätigung zurück. Ich fordere immer noch viel von ihm, aber ich gebe ihm auch sehr viel und ich habe gelernt zu akzeptieren, dass es auch mal nicht geht. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich mich sportlich überfordere. Außerdem habe ich durch den Sport meine Ernährung sehr verändert. Ich achte nun auf eine rel. gesunde Ernährung. In der Summe habe ich das Gefühl, dass mein Körper für diese Umstellung dankbar ist.
Das Laufen im Speziellen und der Sport im Allgemeinen machen mir sehr viel Spaß. Wäre es nicht so, würde ich es nicht machen! Die Freude und die Lust stehen absolut im Vordergrund, wobei ich mich sehr dagegen wehre, in die hedonistische Schiene gesteckt zu werden. Vergangenes Jahr bin ich mit dem Rad von Köln zum Mondschaumarathon gefahren, bin den Marathon gelaufen und dann wieder zurückgefahren. Während dieser Zeit hat es zu 75% nur geregnet. Das machte mir nichts. Ich fand die Herausforderung viel interessanter und daher machte es mir viel Spaß im Regen zu fahren. Monschau ist ein toller Landschaftslauf. Es geht dabei viel durch die Natur und demzufolge ist ein Großteil der Strecke nicht asphaltiert. In Kombination mit dem Wetter war das Streckenprofil teilweise sehr maschig. Viele Läufer fanden das nicht so toll im Matsch durch die ganzen Pfützen zu laufen. Dabei erfüllte ich mir einen Kindertraum. Früher machte es mir immer sehr viel Spaß in Pfützen zu treten, was aber beständig von meinen Eltern verboten wurde. Jetzt konnte ich 42 km lang in Pfützen treten, ohne dass sich irgendjemand aufregte und dabei noch einen schönen Marathon laufen– der Hammer!
Natürlich ist es teilweise auch sehr schmerzhaft, aber wer sagt, dass Schmerzen was Schlechtes sind? Ich habe gelernt Schmerzen zu akzeptieren, sofern sie nicht schädlich für mich sind, also wenn es mir nicht wehtut. Und über Schmerzen habe ich eine Verbindung zu meinem Körper und somit auch zu mir. Nicht dass es jetzt falsch verstanden wird, ich benötige eine solche Verbindung nicht kontinuierlich, aber wenn sie da ist, nehme ich sie dankend an. Das ist auch ein Grund von mehreren, warum ich mich tätowieren lasse. Dabei kann ich mich mal auf eine andere Art spüren, zentrieren und ein etwas anders Körpergefühl aufbauen. So habe ich nun schon ca. 1/3 meines Körpers tätowiert – und keine einzigen Stich bereut!
Ein weiterer Grund für meine sportlichen Aktivitäten ist das Energieniveau. Das Leben mit, in und für die Sucht war sehr energieaufwendig. Was sollte ich nun mit der Energie machen? In irgendwelche destruktiven und selbstbemitleidenden Gedanken und Aktionen wollte ich sie nicht verschwenden. Sport ist eine sehr gute Möglichkeit diese Energie positiv loszuwerden, was einem wiederum neue Kraft gibt. So entsteht ein sehr produktiver Kreislauf, wie ich finde, der mich immer wieder vorantreibt.

Das Laufen ist zu einer Lebenseinstellung geworden, ohne dass es ein Teil von mir geworden ist. Laufen hat für mich sehr viel mit Spaß, mit positiven Gefühlen, mit sich was vornehmen und durchziehen, mit dem Umgang von Niederlagen, mit Kontakt zu sich und seiner Umwelt, mit „sich kümmern um“, mit positivem Leben, mit Aggressionsabbau, mit… zu tun. Das ist nur ein Teil der Gefühle und Einstellungen, die ich durch das Laufen entwickelt habe. Dennoch ist das Laufen kein Teil von mir geworden. Das heißt, ich kann jederzeit mit dem Laufen aufhören. Sollte ich es aus irgendwelchen Gründen nicht mehr machen können, dann ist es halt so. Ich werde dem Laufen für das alles sehr dankbar sein und mich nach etwas anderem Umschauen, was ist stattdessen machen kann. Mir geht es beim Laufen viel um die Inhalte. Die Form ist zwar auch nicht schlecht, aber sie ist auswechselbar. Zu jeder Bedingung gibt es viele Möglichkeiten, ich muss sie nur nützen.
Beim Laufen kann ich auch sehr gut nachdenken. Wenn ich für die Uni eine Hausarbeit schreibe, oder etwas Interessantes gelesen habe fallen mir beim Laufen oft tolle Gedanken, Thesen oder Interpretationen ein. Leider kann ich mir diese dann häufig nicht so lange merken, bis ich sie niederschreiben kann, oder es werden zu viele. Zu der Arbeit fällt mir das ein, zu dem Gelesenen das und für das Referat ist dieses Konzept sehr vielversprechend … Und zu Hause habe ich nur noch ein heterogenes Agglomerat von Gedanken im Kopf. Daher habe ich mir angewöhnt, zu längeren einsamen Läufen ein Diktiergerät mitzunehmen. Da kann ich dann kurz was draufreden und es später wieder anhören. Das ist durchaus symptomatisch für mich. Ich versuche immer wieder den Sport mit anderen Dingen zu verbinden. Seit Jahren mache ich mir Gedanken, wie ich lesen und Laufen verbinden kann. Beides ist zeitaufwendig, also warum soll ich das nicht verbinden. Natürlich könnte ich mit einem Hörbuch laufen, was ich auch manchmal mache, aber oft gibt es die Literatur, die mich interessiert, nicht als Hörbuch.
Andere Ideen kann ich mir wiederum merken. So fände ich ein Singlett mit unserem Projekt nicht schlecht. Mit einem solchen können wir auch vor Ort in der „Läuferszene“ Werbung für das Projekt machen. Bei den verschiedenen Läufen sehe ich immer sehr viele Menschen, die für irgendwas Werbung machen. Warum nicht auch wir. Vielleicht ergibt sich da ein toller Kontakt.


Werde ich die Läufe schaffen?

Hier ist meine Antwort ganz klar ja. Sobald ich am Start stehe, habe ich es schon geschafft. Viele sehen nur den Lauf isoliert und fragen ausschließlich nach der Zeit. Ich sehe das etwas anders. Der Lauf steht für mich nicht isoliert da. Er gehört zum gesamten Paket. Seit meinen ersten Metern habe ich auf den Lauf hin trainiert. Ich habe über Jahre ein Ziel verfolgt, dessen momentane oberste Stufe dieser Lauf ist. Daher ist der einzelne Lauf nicht so wichtig und ich mache mir auch keine Gedanken, ob ich ihn schaffe. Wichtig für mich es darauf hin zu trainieren und es überhaupt zu versuchen. Sollte es nicht klappen, dann halt im nächsten Jahr oder ein anderer Lauf. Schade finde ich es, wenn Leute sehr verbissen auf einen Lauf hin trainieren und ihn dann aus den verschiedensten Gründen nicht antreten können oder der Lauf nicht so klappt wie vorgesehen. Natürlich ist es schade, auf etwas zu trainieren und dann klappt es nicht so. Aber so etwas gehört einfach dazu.
Jedoch ist nicht alles Gold was glänzt. Ob ich die Läufe schaffe, oder nicht – darüber denke ich nicht nach. Was mich jedoch beschäftigt ist die Weite. Ich habe ein großes Problem, wenn ich in der Ferne den Horizont sehen kann. In solchen Situationen verliere ich dann in unterschiedlicher Intensität das „Urvertrauen“ an die Mutter Erde. Das hängt immer gerade davon ab, wie stark und sicher ich mich fühle. Mal schauen, wie das klappt. Bis dahin habe ich noch etwas Zeit mich damit zu beschäftigen.


Weiter positiven Anregungen von „Überm Berg“

Eine positive Nebenwirkung des Projekts ist, dass es einen Plan gibt. Zu Beginn haben wir einen Plan erhalten, der in Wochen unterteilt ist und in dem für jede Woche die km Anzahl angegeben ist, die wir laufen sollten. Natürlich sind das nur Richtwerte, aber ich versuche mich daran zu halten. Es ist das erste Mal, dass ich nach einem Plan laufe. Es ist das erste Mal überhaupt, dass ich mich an einen Plan halte, der über einen längeren Zeitraum geht. Bisher fand ich das viel zu freiheitsbegrenzend. Ich wollte entscheiden! Es gibt mittlerweile für alle Streckenlängen Laufpläne. Die haben mich jedoch noch nie interessiert. Das war für mich viel zu zwanghaft. Jetzt versuche ich mich rel. genau an den Plan zu halten. Zugute kommt mir dabei, dass nur die Wochenkilometer angegeben sind. Wann und wie ich sie laufe ist mir überlassen. Wenn ich den Plan einhalten kann, dann ist das ein gewisses Indiz für meine Fitness. Außerdem befinde ich mich gerade in einer Phase, in der ich versuche mein Leben besser zu strukturieren und zu organisieren. So ist der Plan ein gutes Übungsfeld für mich. Ich habe ihn ausgedruckt und im Bad neben das Waschbecken gehängt (meine Freundin war davon nicht so ganz begeistert, aber ich brauchte für den Plan einen Platz, damit er mir täglich ins Auge fällt und ich darin auch verweilen kann). Jetzt sehe ich jeden Morgen beim Zähneputzen wie nah ich an diesem Plan dran bin. Die gelaufenen km trage ich ebenfalls ein.
Das Dokumentieren habe ich auch auf das Fitnessstudio ausgedehnt. Zum ersten Mal seit 10 Jahren in Fitnessstudios schreibe ich mir die Sätze, Wiederholungen und Gewichte auf. Ich sehe nun, wie gut ich drauf bin, wann ich zum letzen Mal dort war und was ich nicht glauben sollte, es macht sogar noch Spaß.



Suchtverlagerung?

Es gibt Menschen, die behaupten, dass ich mit dem Sport einfach meine Sucht verlagert hätte. Das bezweifle ich jedoch. Ich möchte hier jetzt keine Diskussion über Sucht und Suchtverlagerung eröffnen, aber ein Kriterium hierfür ist für mich die Nachhaltigkeit. Sucht empfinde ich auf längere Zeit sehr destruktiv. Das ist beim Sport überhaupt nicht so. Ich mache jetzt seit etwa 8 – 9 Jahren in unterschiedlicher Intensität Sport. Dabei habe ich, wie dargelegt, rückblickend nur positive Erfahrungen gemacht und ich sehe im Sport viele Möglichkeiten mich zu entwickeln.
Ich denke, dass es viel mit der Sichtweise zu tun hat. Wenn jemand wenig Sport macht, dann ist das klar sehr viel, was ich mache. Aber ich sehe auch sehr viele Leute, die noch mehr machen als ich. Daher kann nicht so einfach von Suchtverlagerung gesprochen werden.


Es ist nicht alles Gold was glänzt …

Eine sehr große Herausforderung für mich ist es, alles unter einen Hut zu bringen. Konkret bedeutet das, Freundin (mit ihren zwei Kindern), Uni (bin gerade dabei das Examen zu machen), Arbeit (muss mich ja finanzieren), Sport (ist schon etwas Zeitextensiv) und und und irgendwie so hinzubekommen, dass nichts großartig auf der Strecke bleibt. Das geht aber nur, weil meine Freundin sehr tolerant ist und mich in meinem Vorhaben sehr unterstützt. Mal klappt es, mal klappt es nicht so gut. So ist wirklich nicht alles Gold was glänzt - das ist aber nur dann relevant, wenn man daraus Geld machen will. Solange ich mich nur am Glanz oder an der Form erfreuen möchte, ist der Goldanteil eine Nebensache.
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Peter Nowak
Forumsanfänger


Anmeldungsdatum: 19.02.2006
Beiträge: 10
Wohnort: Osnabrück

BeitragVerfasst am: 26.03.2006, 11:18    Titel: Antworten mit Zitat

Ein super interresanter Beitrag! - habe ihn richtig verschlungen!!!
Peter
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Jürgen
Forumsverantwortlicher


Anmeldungsdatum: 17.12.2005
Beiträge: 111

BeitragVerfasst am: 06.04.2006, 19:37    Titel: Wertschätzung Antworten mit Zitat

Hallo Roland,
klasse Deine Ehrlichkeit und Dein Artikel. Er klingt so positiv und so einfach....ich glaube da steckt viel Potential und Geschichte zwischen den Zeilen, die auch manchmal schmerzhaft waren oder auch noch sind. Das interessiert mich natürlich sehr....wie Du mit den Hindernissen, Zweifeln, Rückschlägen umgehst. Oder auch mit Einsamkeit. Teilen zu wollen, aber lange niemand zu haben der das Geteilte annimmt. Die Suche nach Wertschätzung und Anerkennung ist doch sicherlich auch mal Thema gewesen.

Ich freue mich auf jeden Fall, Dich Über´m Berg begleiten zu dürfen.

Liebe Grüße

Jürgen
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