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Suchtselbsthilfe-Netzwerk.de Dieses Forum wendet sich an ehemals Suchtmittelabhängige, Interessierte und Freunde des Netzwerk www.gesundheit-sport-erlebnis.de. Es wurde erstellt inZusammenarbeit mit der Selbsthilfegruppe www.proVita-koeln.de und dem Reha-Zentrum "Franzstr."SKM Köln
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caroline Forumsanfänger
Anmeldungsdatum: 22.09.2006 Beiträge: 11
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Verfasst am: 26.09.2006, 22:57 Titel: Flucht nach vorn |
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Würde hier wirklich gerne ein wenig ins Gespräch kommen. Deshalb werde ich einfach noch ein wenig von mir erzählen.
Ich bin 41 Jahre alt und geschieden. Ich habe trotz Kokainabhängigkeit meine beiden Kinder alleine großgezogen. Ich bin in einer Kneipe großgeworden, die ich später auch geleitet habe.
Nachdem ich den Laden mit meiner Sucht in den Ruin geführt habe und die Idee mich umbringen zu wollen über Board geworfen hatte, begann ich meinen Weg in eine neue, cleane Zukunft. Diesen Weg fand und finde ich nicht immer leicht. Immer wieder habe ich das Gefühl in einem brennenden Haus zu sitzen und den Ausgang nicht zu finden. Ich habe immer wieder mit Angstzuständen und depressiven Verstimmungen zu tun. Oft denke ich auch nach den Jahren der Abstinenz, dass ich es nicht schaffe clean zu bleiben, habe Angst vor dem weitergehen.
So auch zur Zeit.
Ich mache seit gut einem Jahr eine Umschulung, in 14 Tagen beginnt nun ein dreimonatiges Praktikum und ich habe Angst. Angst zu versagen, nicht zu genügen, Angst festzustellen, dass ich (wieder) auf dem falschen Dampfer bin. Ich habe vor wenigen Jahren in der gleichen Einrichtung wie jetzt eine Umschulung begonnen. Damals bin ich zusammengeklappt, mußte für 4 Monate in die Psychatrie.
Ich versuchte damals mich auf die Prüfung vorzubereiten, als mein Sohn begann seine Schule gegen die Wand zu fahren und meine Tochter sich die Arme anfing aufzuschneiden.
Ich fühlte mich machtlos, konnte mich nicht mehr konzentrieren, saß nachher in der Prüfung und konnte weder lesen noch schreiben. Mein Arzt nannte das akutes Überlastungssyndrom, ich nenne das Black out.
Egal wie, ich habe versagt, und ich habe Angst, dass mir genau das gleiche wieder passiert.
Zu meinen Eltern habe ich seit ich clean bin kaum noch Kontakt, mein Vater wirft mir vor, dass ich den Laden geschrottet habe und er sich wieder kümmern mußte. Er schafft es auch nicht, diese scheiß Kneipe einfach zu verkaufen, hat sie vermietet und nur Ärger, den er auch wieder mir zum Vorwurf macht.
Ich sehe bei meinen Freunden immer wieder, dass sie sich mit ihren Familien, ihren Eltern nach dem clean werden wieder versöhnen. Bei mir ist's genau andersrum: Seitdem ich um mein Cleansein kämpfe und alles für meine Genesung tue, habe ich Knatsch mit meinem Vater. Gut, war vorher auch schon so, aber nicht so offensichtlich. Was besonders wehtut: mit meiner Mutter hatte ich immer ein gutes Verhältnis, als ich sie im August anrief, um ihr zum Geburtstag zu gratulieren, traute sie sich kaum mit mir zu sprechen, weil mein Vater daneben stand.
Im Moment bin ich krankgeschrieben, versuche mich innerlich auf das Praktikum vorzubereiten. Generell denke ich, dass ich da richtig bin, dass ich da gefordert werde und mir die ganze Sache auch Spaß machen kann. Ich habe einen Praktikumsplatz gefunden, in dem ich meine erste Umschulung und die jetzt verbinden kann. Ich denke, dass ich in den folgenden drei Monaten viel lernen kann. Und doch ist da diese Angst... und damit verbunden der Wunsch, Alkohol zu trinken, wenigstens ab und an um mich zu betäuben...und um nicht aushalten zu müssen.
Und ich weiß, das wäre mein Ende.
Zuletzt bearbeitet von caroline am 28.09.2006, 22:18, insgesamt einmal bearbeitet |
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Jörg Site Admin

Anmeldungsdatum: 16.12.2005 Beiträge: 103 Wohnort: Köln
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Verfasst am: 27.09.2006, 20:28 Titel: |
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Hi Caroline,
find ich erstmal toll das du hier endlich etwas leben reinbringst. Das wir noch mit Startschwierigkeiten zu kämpfen haben wurde ja schon berichtet. Hätten wir mehr solche fleißigen Schreiber wie dich, wär hier sicher auch schon viel mehr gebacken. Aber das ist normal bei den Anfängen eines Forums, schließlich steht das Forum noch nicht mal ein Jahr. Das wird bald mehr werden, bin ich auch ganz zuversichtlich.
Deine Geschichte fand ich sehr bewegend und auch sehr schön geschrieben. Respekt davor wie du immer weiter gehst und deinen Kopf nicht in den Sand steckst.
Mach dir nicht zuviel Kopf wegen dem Praktikum. Es ist erstmal eine Chance für dich zu sehen ob es dir dort gefällt. Du musst da auch nicht überzeugen, wirst es aber wahrscheinlich eh durch deine Einstellung tun.
Und wenn du feststellst " das ist nix für mich" bist du letzendlich trotzdem wieder einen Schritt weiter gekommen. Irgendwelche Erkenntnisse oder Möglichkeiten die man vorher nicht gesehn hat findet man bei sowas immer.
Ich war beim Einstieg ins Berufsleben völlig desorientiert. Ich wusste ich kann Drogen konsumieren und ich wusste ich kann Drogen verkaufen. Mehr hatte ich eigentlich nie gemacht. Dummerweise war ich gerade dabei beide Fähigkeiten ad acta zu legen.
Gerade im Berufsleben war ich völlig desorientiert. Über viele Umwege kam ich dann vom anfänglichen planlosen Berufswunsch medizinischer Bademeister und Maseur in eine Software Firma.
Bis ich da an meinem Zwischenziel ankam habe ich auch einige Praktika gemacht und bei jedem konnte ich meinen Berufswunsch besser eingrenzen. Fertig bin ich damit immer noch nicht. Ich kann und möchte mir auch noch Veränderung in der Zukunft vorstellen.
BY the way in welche Richtung geht dein Praktikum denn ? Hast du schon eine konkrete Vorstellung was du arbeiten möchtest ?
LG
Jörg |
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Jürgen Forumsverantwortlicher

Anmeldungsdatum: 17.12.2005 Beiträge: 103
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Verfasst am: 27.09.2006, 21:12 Titel: das Leben |
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Hallo Caroline und auch die Anderen,
teile Dich mit und gebe Dir eine Chance. Es berührt mich, was Du schreibst. Es erinnert mich an einen pausenlosen Kampf und das finde ich sehr anstrengend. Was ist den aus Deinen Träumen geworden und welche gibt es noch zu leben, nicht zu überleben?
Was kommt nach den Dramen? Was macht Dein Leben lebenswert und was kann und darf auch mal leicht sein?
Ich wünsche Dir ganz viel Kraft und Mut, das du es schaffst Rausch zu leben. Gesund auszuleben!
Bleib am Ball und teile Dich mit. Ich denke es werden viele sich in Deinen Gedanken und Empfindungen wiederfinden. Und klasse wär's, wenn diese sich auch mal melden würden...
Liebe Grüße
Jürgen |
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caroline Forumsanfänger
Anmeldungsdatum: 22.09.2006 Beiträge: 11
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Verfasst am: 28.09.2006, 00:06 Titel: |
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| Jörg hat Folgendes geschrieben: | BY the way in welche Richtung geht dein Praktikum denn ? Hast du schon eine konkrete Vorstellung was du arbeiten möchtest ?
LG
Jörg |
Ich hatte als erstes eine Umschulung zur IT-Systemkauffrau gemacht, jetzt versuche ich mich im Groß- und Außenhandel.
Das Praktikum mache ich in einer Firma, die Speichermedien ( USB-Sticks, In- und Externe Festplatten, kleinere Server etc) entwickelt und vertreibt.
Ich werde da in der Marketingabteilung arbeiten. Ein Aufgabenbereich, der mir völlig fremd ist, auf den ich mich aber freue. Ich glaub, dass ist eine Arbeit, die viel Spaß machen kann, zumal ich da auch eigenständig arbeiten soll. Das habe ich mein Leben lang getan und will das auch weiterhin.
Später möchte ich mich wieder selbständig machen, am Liebsten mit einer Reisetätigkeit. Handelsvertreterin in Sachen Soft- und Hardware könnte ich mir für mich gut vorstellen. Da bekomme ich dann auch wirklich beide Ausbildungen unter einen Hut. Und in der IT-Branche ist auch eine internationale Arbeit möglich. Das wäre mein absoluter Traum. Ich reise gerne und hätte keine Probleme damit, aus dem Koffer zu leben.
Meine Freunde habe ich sowieso über Deutschland und Europa verstreut. Ich bin auch noch in einem anderen, kleinen Privatforum aktiv.
Und dadurch, dass ich weitestgehend mit NA clean geworden bin, hab ich den Luxus einem weltweiten Netzwerk anzugehören, welches NA und auch AA ja nun mal ist.
@Jürgen: Zu dem Thema Träumen: ich glaube, ich bin auf dem besten Weg meine Leichtigkeit wiederzufinden. Die letzten Jahre waren für mich sehr hart, war ich doch zum einen mit clean werden beschäftigt, zum anderen aber verantwortungsvolle Mutter zweier Kinder seinen sollte und wollte.
Ich war oft neidisch auf andere ohne Kinder und ohne weitere Verantwortung außer für sich selbst. Heute sehe ich das so, dass das eben mein Weg war. Meine Kinder sind jetzt groß und brauchen mich nicht mehr so...und ich habe endlich Zeit für mich.
Und auch wenn mit den Beiden nicht immer alles so gelaufen ist, wie ich es mir gewünscht hätte und wir auch immer wieder Stress miteinander haben kann ich doch sagen, dass ich stolz auf die Zwei bin. Wir haben heute ein recht normales und vertrauenvolles Verhältnis. Und das ist mehr, als ich vor acht Jahren zu hoffen gewagt habe.
Ich habe oft überlegt, ob es nicht besser wäre die Beiden wegzugeben und nach meinem Crash in der Umschulung vor drei Jahren mußte ich meinen Sohn auch kurzfristig ins Internat geben. Meine Tochter ist dann, nachdem ich aus der Klinik entlassen wurde, auf eigenen Wunsch ins Betreute Einzelwohnen für Jugendliche gezogen. Inzwischen ist sie 18, mein Sohn 17.
Hätte ich noch mal die Wahl, die Entscheidung wäre die gleiche: Für die Kids, auch wenn es sich manchmal wie eine Entscheidung gegen mich anfühlte.
Aber manchmal trügen Gefühle halt. Meine Entscheidung für die Kids war auch immer eine Entscheidung für mich.
Nur meine Leichtigkeit habe ich dabei zwischendurch immer wieder mal verloren, aber die kommt wieder, wie auch alle andere. Da bin ich zuversichtlich.
So, irgendwie war das jetzt mehr, als ich eigentlich schreiben wollte.
Nochmal liebe Grüße
Caroline |
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Jörg Site Admin

Anmeldungsdatum: 16.12.2005 Beiträge: 103 Wohnort: Köln
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Verfasst am: 28.09.2006, 21:55 Titel: |
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Wow, ich bin mit der Informationsflut grad ganz überfordert, bin ich gar nicht gewohnt hier .
Aber was da bei mir war so als Gesamteindruckso hängen blieb war das du genau weißt wo du hin willst und das du stark genug wirkst um das zu schaffen und wahrscheinlich in der Zukunft immer stärker wirst.
So mehr bring ich heut nicht zustande, bin müde, cu
Jörg |
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